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Ausgabe 2.2012
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Android360

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Android vor Gericht

Der Prozess um Android, der derzeit in Kalifornien stattfindet, bietet irgendwann noch Stoff für einen Spielfilm. Es ist ja auch ein Krimi: Hat Google mit seiner Nutzung von 37 Java-APIs in Android das Urheberrecht verletzt? Im Zeugenstand saß bislang die Crème de la Crème der IT: Android-Chefentwickler Andy Rubin, Google Executive Chairman Eric Schmidt, die Ex-Sun-CEOs Jonathan Schwartz und Scott McNealy sowie Oracles Chief Financial Officer Safra Catz. Einen Seitenhieb gab es außerdem von Java-Vater James Gosling, der zwar nicht aussagte, dessen Statement aber trotzdem die Runde machte: das Vorgehen Googles damals sei bei Sun nicht auf Gegenliebe gestoßen. Man habe sich hintergangen gefühlt, aber entschieden, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Goslings Aussage ist sehr glaubhaft, vor allem vor dem Hintergrund, dass er und Oracle nicht gerade im Guten auseinander gegangen sind.

Die Geschworenen, übrigens sieben Frauen und fünf Männer, haben sich bis kurz vor Redaktionsschluss beraten. Am ersten Morgen nach Beratungsbeginn gab es eine Rückfrage eines Geschworenen zu Googles Nutzung der Java-APIs in Apache Harmony. Darauf folgten Wortgefechte zwischen den Anwälten beider Parteien, wie die Antwort auf diese Frage auszufallen habe. Ein IT-Krimi eben, das Drehbuch ist wahrscheinlich schon in der Mache. Dann kam mit einiger Verspätung das Urteil der Jury zum ersten von drei Teilaspekten: Google hat Copyright-Gesetze verletzt, als sie die Java-APIs für Android nutzten. Aber die Jury entschied nicht komplett im Sinne von Oracle. Die Frage, ob Google sich mit „Fair Use“ verteidigen darf, wurde nicht geklärt. In Sachen Copyrightverletzung von Softwaredokumentationen befand die Jury Google für unschuldig.

Die Frage ist also, wer in dieser ersten Runde wirklich als Sieger hervorgeht. Oracle kann sich freuen, da sie die Jury überzeugt haben, dass Google etwas Wichtiges kopiert hat, als Android entstand. Google wiederum wurde nicht komplett abgestraft in dieser ersten Entscheidung, kann jetzt auch Einspruch einlegen gegen die unklare Haltung der Jury. Was die Anwälte hier jeweils aus dem Hut zaubern, ist erstmal unwichtig. Viel wichtiger ist doch die Frage, wie frei Java wirklich ist. Welche Nachwirkungen hat dieser Prozess auf Java bzw. welchen Eindruck hinterlässt Oracle auf die Programmierer? Wer stets up to date bleiben will, sollte einen Blick auf unsere Serie zum Thema „Oracle versus Google“ auf JAXenter werfen: http://bit.ly/9vsyRu oder natürlich uns auf Twitter folgen: @Android360Mag.

Lass Eis regnen
Android wird im Oktober dieses Jahres also schon stolze neun Jahre alt. Und ohne Java gäbe es wahrscheinlich kein Android, zumindest nicht in dieser Form. Das Application Framework beinhaltet Java-kompatible Bibliotheken, die auf Apache Harmony basieren. Außerdem läuft unter Androids Motorhaube die Dalvik Virtual Machine, hier kommt ein Java-Dialekt zum Einsatz. Kein Android ohne Java also – ein Problem, das derzeit bekanntlich vor Gericht diskutiert wird.

The Future is bright
Während also in diesen Tagen über das Schicksal von Android entschieden wird, geht in der Welt das mobile Leben ganz normal weiter und Android als Plattform für die mobile Entwicklung setzt seinen Erfolgskurs fort.

Inwieweit das aktuelle Release von Android, Ice Cream Sandwich, mit für den Erfolg verantwortlich ist, wollen wir in dieser Ausgabe untersuchen. Viele Hoffnungen wurden mit dem vierten Major Release verbunden, und viele wurden auch auf den ersten Blick erfüllt: der Code war endlich wieder quelloffen, Smartphone und Tablet wieder vereint, ein neues Design für alle Gerätetypen geplant.

Ice Cream Sandwich ist jetzt sechs Monate alt, daher auch der Hefttitel „Revisited“. Im letzten halben Jahr ist sicherlich weniger passiert als erhofft, was vor allem an der langwierigen Updatephase für Android 4 auf aktuellen Smartphones liegt. Die neuesten Zahlen aus dem Hause Google sprechen von 4,9 Prozent Verbreitung auf Android-Devices. Aber wie Christian Meder in seinem Leitartikel richtig anmerkt: Langsamer als erwartet bedeutet nicht automatisch schlechter oder weniger erfolgreich. Und die Verbreitung von Ice Cream Sandwich wird sich in den nächsten Monaten stetig vergrößern. Deshalb kann man auch nie zu früh damit anfangen, die neuen Features von Android 4 anzunehmen und auf Grundlage dessen seine Apps zu entwickeln. Was im Einzelfall zu beachten ist, werden Sie wie gewohnt bei uns nachlesen können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß bei der Lektüre dieser Ausgabe

Claudia Fröhling
Redakteurin Android360 Magazin
Twitter: @Android360Mag
Google+: http://gplus.to/Android360